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Dienstag, 22. November 2016

Und weiter wächst das Mißtrauen!


Wirtschaft

"Etikettenschwindel beim Strom-Mix"

Lichtblick: Ökostromanbieter sieht bei Versorgern deutliche Abweichungen.

Und kritisiert: Verbraucher werden durch gesetzliche Regelung in die Irre geführt


Berlin (AFP). Die Angaben von Energieversorgern zu ihrem Strommix führen nach Angaben des Anbieters Lichtblick viele Verbraucher in die Irre. So kaufen zahlreiche der 35 geprüften Versorger deutlich mehr Kohle- und Atomstrom ein, als sie in ihrem Strommix angeben, teilte Lichtblick in Hamburg mit. Grund seien gesetzliche Kennzeichnungsvorschriften, gegen die es in der Branche allerdings "keinen großen Protest" gebe, weil sie viele Versorger "grüner aussehen" lassen als sie sind, sagte ein Lichtblick-Sprecher.


Der Öko-Versorger nahm die Angaben von 35 Stromanbietern unter die Lupe, die für das Jahr 2015 bis zum 1. November veröffentlicht werden mussten. Darunter sind große Konzerne wie Eon, Vattenfall und EnBW, aber auch zahlreiche kleinere Stadtwerke - und Lichtblick selbst. Das Unternehmen errechnete, wie der Stromeinkauf des jeweiligen Anbieters tatsächlich aussah. Das Ergebnis: Bei drei Anbietern ist der Anteil von konventionellem Strom aus Atom, fossiler Energie wie Kohle und Erdgas 42 Prozent höher als im angegebenen Strommix. Bei 21 Versorgern war der Anteil im Stromeinkauf mindestens 30 Prozent höher.


Hintergrund für die Abweichungen ist laut Lichtblick die gesetzliche Vorgabe für Versorger, einen Pflichtanteil an Strom aus Erneuerbaren Energien ausweisen zu müssen. So müsste letztlich auch ein fiktiver Anbieter, der zu 100 Prozent Kohlestrom produziert und nur Haushalte und Kleingewerbe beliefert, einen Anteil an EEG-Strom von 45,5 Prozent ausweisen, erläuterte Lichtblick-Sprecher Ralph Kampwirth. Verbraucher würden dies aber nicht richtig verstehen und annehmen, die Aufteilung entspräche dem für sie eingekauften Strommix.


"Die Versorger können nichts dafür, weil es der Gesetzgeber so vorschreibt", kritisiert Kampwirth. Mit der Stromkennzeichnung habe die Europäische Union für mehr Transparenz sorgen wollen, was für Strom für den Kunden eingekauft werde. Die Bundesregierung möchte ihrerseits, dass der Kunde sehe, dass er die Energiewende fördere. Beide Ansätze seien richtig, aber die gesetzliche Regelung hierzulande führe dazu, "dass man den Versorger grünwäscht".


Der Öko-Versorger Lichtblick forderte eine "rasche Reform der Kennzeichnung", damit der "Etikettenschwindel" ein Ende finde. "Auch für Stromprodukte muss gelten: Es darf nur das draufstehen, was auch drin ist", erklärte Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking. "Nur so können Verbraucher Tarife und Anbieter klar unterscheiden."


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15 - Paderborn (Kreis), Dienstag 22. November 2016
 

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